Muskathlon: mountain biking to fight poverty

Der ‚Muskathlon‘, ein Wortmix aus Musketier und Marathon, verknüpft eine sportliche Herausforderung mit dem Kampf gegen Armut. Unser Kollege Justus Kaiser aus der Auftragsabwicklung des Supply Chain Centers nahm im vergangenen Jahr an dieser besonderen Veranstaltung teil – auf Einladung der Organisation „der 4te Musketier“, deren karitative Projekte dem jeweiligen Gastland zugutekommen. Heute berichtet er Euch von seiner Reise.
Justus Kaiser arbeitet bei Covestro in der Auftragsabwicklung des Supply Chain Centers (SCC).

Treffpunkt: Flughafen Frankfurt. Das Ziel: Uganda. Viele Monate Vorbereitung liegen hinter mir. Nun kommen Zweifel: Bin ich fit genug für das, was vor mir liegt? Habe ich genug Spenden gesammelt? Zumindest das kann ich mit ja beantworten. Meine Kollegen bei Covestro haben mit sagenhaften 1.500 Euro zur Gesamtsumme von knapp 13.000 Euro beigetragen. Das ist großartig! Es geht los. 34 deutsche Teilnehmer steigen ins Flugzeug. Die Vorfreude und Anspannung ist enorm. Nachts dann Ankunft in Entebbe, Uganda. Nach der Passkontrolle und Gepäckausgabe geht’s direkt zum Hotel.

Schon früh am Morgen werden insgesamt 200 „Muskathleten“ aus den USA, England, Norwegen, Belgien, Holland, Schweiz, Australien und Deutschland in kleine Gruppen aufgeteilt. Quer durch die Hauptstadt Kampala geht es dann direkt in die Slums. Dort besuchen wir einige von insgesamt 350 Projekten von ‚Compassion‘, einer christlichen Kinderhilfsorganisation, die 90.000 Patenkinder im ganzen Land betreut.

Danach geht die Reise weiter. Mehrere hundert Kilometer fahren wir mit Kleinbussen durchs Land, bis wir unser Hotel am Lake Bunyonyi erreichen, das für die restliche Woche unser Stützpunkt sein wird.

Eine bewegende Begegnung
Am nächsten Tag fährt meine Gruppe zu einem weiteren Compassion-Projekt nach Rutare. Dort erwartet uns ein großes Fest. Der Leiter des Zentrums für knapp 250 betreute Kinder berichtet, dass sich die Gegend seit dem Bau der Einrichtung positiv entwickelt habe und zählt auf, wie ein Tagesablauf aussieht: Schule, Mahlzeiten, Gesundheitschecks, AGs wie Malen und Fußball, Treffen und Lehreinheiten mit den Eltern und vieles mehr. Wir sind tief berührt und glücklich, die Spenden so sinnvoll eingesetzt zu sehen.

Dann erlebe ich mein Highlight der Woche: Ich lerne mein Patenkind Michael kennen, das ich seit Januar 2016 unterstützen darf. Er zeigt mir seine Schule, in die er nun mit acht Jahren seit Anfang des Jahres als Erstklässler gehen darf. Er zeigt mir auch den Schulhof und die Küche. Und nach zwei Kilometern Spaziergang auch sein Zuhause. Eine einfache, aber schöne und saubere Hütte. Gemeinsam mit drei anderen „Muskathleten“ werden wir von Michaels Mutter hineingebeten. Als Geschenk haben wir Lebensmittel mitgebracht. Menschliche Wärme und Dankbarkeit empfängt uns. Michael und seine Familie leben unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können. Vor zwei Jahren lebten sie sogar noch auf der Straße, bis eine benachbarte Kirche eine Hütte für die Familie baute. Für Michael ist Bildung der einzige Ausweg in ein anderes Leben.

Justus Kaiser (links) besuchte die Familie seines Patenkindes Michael (rechts). Ihm ermöglicht Kaiser eine Schulausbildung.

Die Begegnung mit Michael hat mich sehr bewegt. Nach einer unruhigen Nacht folgt am nächsten Tag ein weitererProgrammpunkt: der „Kids-Fun-Day“. In Kisoro veranstalten wir gemeinsam mit dem dortigen Compassion-Projekt eine Olympiade mit 400 Kindern. Sie sollen spielen, Aufmerksamkeit bekommen und einfach Kind sein dürfen. Eine leider unübliche Rolle für Kinder in vielen Ländern Ostafrikas.

Der Muskathlon
Nach einem Ruhetag klingelt mein Wecker schon um fünf Uhr. Ich dusche entspannt, lege die Ausrüstung an, frühstücke etwas und es geht zur Muskathlon-Strecke, wo die letzten Vorbereitungen laufen. Ich ordne mich mit meinem Rad am Start ein. Neben 200 internationalen Teilnehmern haben sich auch weit über 500 lokale Athleten eingefunden, die aus Spaß mitlaufen. So viele Monate Arbeit und Trainingsstunden – für diesen einen Moment. Ich habe Gänsehaut und bin nervös. Dann der Start. Ich komme gut weg. Die erste Runde von etwa 35 Kilometern läuft super: keine Krämpfe, das Rad fährt gut. Die Eindrücke rauschen an mir vorbei. Einheimische am Streckenrand, die uns anfeuern, ein Steinbruch, in dem ganze Familien arbeiten, Verpflegungsstationen mit freundlichen Helfern und auch die ersten Wanderer, die ich wiederum vom Rad aus anfeuere.

Justus Kaiser ist erschöpft, aber glücklich im Ziel angekommen. Der Lohn monatelanger Vorbereitung.

Nach sechs Stunden, 40 Minuten, 122 Kilometern, 2.450 Höhenmetern und Temperaturunterschieden von zehn bis 31 Grad ist es dann endlich geschafft. Mit Tränen in den Augen rausche ich ins Ziel. Das Training hat sich gelohnt. Ich habe es geschafft, auch wenn ich jetzt überall Krämpfe habe. Doch das passt zum Motto des Muskathlons: „Extremer Einsatz gegen extreme Armut.“

Eine Woche mit insgesamt 1.300 vermittelten Kinderpatenschaften und 700.000 Euro Barspenden für Hilfsprojekte in Uganda geht zu Ende. Der letzte Tag ist angebrochen. Ich kann etwas länger schlafen, dann packe ich. Und in letzten Gesprächen wird bereits der nächste Muskathlon geplant. Vom Flughafen in Ruanda fliegen wir zurück nach Deutschland. Nach der Landung steige ich in mein Auto, das viel neuer als vorher wirkt. Ich bin irritiert: Wie anders hier vieles doch ist. Einfach haben wir es und dafür bin ich nach meiner Rückkehr viel dankbarer, als ich es vorher war. Ich bin zurück aus Uganda – mit meinem Patenkind Michael im Herzen.

Mehr über den Muskathlon erfahrt Ihr unter www.muskathlon.com.